#reclaimUni

Am Montag, den 03.04.2017, stürmten im Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverband (SDS) organisierte Student*innen der HAWK und der Universität einen Hörsaal der HAWK, in dem zu diesem Zeitpunkt eine zentrale Veranstaltung zur Begrüßung der neuen Erstsemesterstudierenden stattfand.

Mit dieser Aktion sollte auf die Entpolitisierung der Hochschule aufmerksam gemacht werden. Betroffen sind die Aktivist*innen besonders durch die Doppelmoral selektiver Raumvergabe und akut durch das Verbot der Teilnahme des SDS am hochschulinternen „Markt der Möglichkeiten“. Die Hochschule behindert somit derzeit Teile der Verfassten Studierendenschaft aktiv in der Ausübung ihres politischen Mandats, welches sie laut Niedersächsischem Hochschulgesetz damit beauftragt, die politische Bildung der Studierenden zu fördern. Obwohl dies zwingend notwendig wäre, wie ein Fall von jahrelangem institutionalisierten Antisemitismus an der Hochschule im vergangenen Jahr zeigte.

Im Zuge des Neoliberalismus ist die Entpolitisierung der deutschen Hochschulen auf ein Maximum angewachsen. Der Neoliberalismus ist die treibende Ideologie des kapitalistischen Systems, die eine politische Zivilgesellschaft verleugnet, die Ökonomie zum absoluten Zentrum macht und auch alle anderen Lebensbereiche ökonomischen Mechanismen unterwerfen will. Im Unibetrieb ist diese Ideologie nicht zuletzt durch die Bologna-Reform (Bachelor/Master-System) institutionell verankert worden. Die im Vergleich zur Gesamtgesellschaft progressiv-links geprägte Student*innenschaft, seit den 68ern revolutionäres Subjekt mit Kraft zur Veränderung, wurde als Gefahr erkannt. Im Zuge dessen wurden die Mitbestimmungsrechte der Student*innen auf Treiben von konservativen Studierendengruppen, wie etwa des RCDS, freudig beschnitten; die Hochschule verschreibt sich der Ideologie, ein „unpolitischer“, „neutraler“ Ort sein zu wollen.

Aber Wissenschaft ist nie neutral. Sie ist immer geprägt von der gesellschaftlichen Ordnung, die sie  hervorbringt. Und ‚unpolitisch sein‘ heißt zur herrschenden Klasse zu gehören (Bertolt Brecht). Es ist unsere Hochschule! Wir möchten, dass sie sich eindeutig politisch positioniere! Dass sie gute Lehre anbiete und uns mangelnde Präsenz nicht als ‚Digitalisierung der Lehre‘ verkaufe. Dass sie für gesellschaftliche Präsenz streite und wieder ein Ort des akademischen Streitens unter Student*innen wie auch Beschäftigten werde! Wir möchten eine Hochschule, die ihre Lehrkräfte des Mittelbaus fair bezahlt und kein Klima der Unsicherheit und Ausbeutung mit semesterweisen Zeitverträgen für Lehrbeauftrage schüre. Wir wollen eine Hochschule, in der Meinungsfreiheit, wie auch die Schlagkraft des besseren Arguments zählen! Wir wollen eine Hochschule für alle*, in der alle* miteinander solidarisch sind!

Es ist Zeit, den Raum, der uns gehört, für uns zurückzuerstreiten!

Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband Hildesheim Weitere Informationen über uns & diese Aktion: www.sds-hi.org www.facebook.com/sdshildesheim/